Österreich will keine Moscheen, oder?

Die vorarlberger Landesregierung hat am Samstag einen Gesetzesantrag eingebracht, um den Bau von Moscheen mit Minaretten grundsätzlich zu verhindern (weitergehende Infos sind zu finden hier, hier, hier und hier). Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt ein Anhänger von Minaretten bin, wundert mich diese Aufregung schon etwas. Teilweise fühle ich mich in die Zeit nach dem Reichsdeputationshauptabschluss (1803) versetzt.

Als kleines Beispiel über die Situation damals ein kleiner Auszug aus Anne Aengenvoorts „Migration, Siedlungsbildung, Akkulturation“ (ISBN 3515074236):

Ihre Gottesdienste durfte die konfessionelle Minderheit – in den folgenden Beispielen die Protestanten – entweder gar nicht oder nur in Hausandachten feiern(…), zu anderen Zeiten aber in der gleichen Kirche wie die Majorität (…), oder aber die konfessionelle Minderheit musste im Extremfall die Messe der Majorität besuchen(…). Im nördlichen Osnabrück waren es umgekehrt häufig Katholiken, die als konfessionelle Minderheit ohne die Erlaubnis für eigene Kirchengemeinden nur geduldet wurden. (S. 122)

Mein Eindruck der letzten Zeit nach den ganzen Diskussionen um den Kölner Moscheebau, bei Betrachtung all der „Bürgerbewegungen“ gegen Moscheebau ist der, dass sich seit über 200 Jahren anscheinend in manchen Köpfen kaum etwas in der Einstellung und im Umgang mit Andersgläubigen geändert hat.

17 Replies to “Österreich will keine Moscheen, oder?”

  1. Mein Eindruck der letzten Zeit nach den ganzen Diskussionen um den Kölner Moscheebau, bei Betrachtung all der “Bürgerbewegungen” gegen Moscheebau ist der, dass sich seit über 200 Jahren anscheinend in manchen Köpfen kaum etwas in der Einstellung und im Umgang mit Andersgläubigen geändert hat.

    Das ist so nicht korrekt. Seit der franz. Revolution und verstärkt nach dem 2. WK wurde die Macht der Kirchen in Europa gebrochen. Selbst streng religiös-christliche Gebiete hören nicht mehr auf die kirchlichen Lehren, selbst wenn sie regelmäßig zum Gottesdienst erscheinen (Köln ist ein Sonderbeispiel, weil die seit Beginn der Renaissance gewohnt waren, ihren Bischof und Landesfürsten vor die Tür zu setzen, wenn der den Handelsinteressen in den Weg kam). Die Religion hat aufgehört, im deutsch sprechenden Raum eine bestimmende Rolle zu führen, was eigentlich zu sehr viel mehr Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedenen Religionen geführt hat.

    Das Problem besteht zum Einen darin, dass viele Moscheeprojekte Großbauten beinhalten, wogegen fast schon traditionsgemäß starker Widerspruch der Anwohner entsteht, die nicht an einer radikalen baulichen Veränderung ihrer Wohngegend interessiert sind, zum Anderen darin, dass der Islam leider die Art eines religiösen Fanatismus vermittelt, der hier mühsam in zwei Jahrhunderten abgebaut wurde. Dass ein gefährlicher Fanatismus im Islam existiert, dessen Erfolgswurzeln vermutlich in der Balfour-Deklaration von 1917 und der darauf bis heute kontraproduktiv geführten westlichen Politik bestehen, lässt sich wohl kaum wegdiskutieren. Dass als Folge arge Bedenken in der nichtislamischen Gesellschaft entstehen, ist psychologisch wohl auch sehr verständlich. Leider gelingt es nicht, diese Bedenken im Rahmen von Moscheeprojekten zu beseitigen, was es Scharfmachern, die es selbstverständlich auch auf der christlichen Seite (obwohl „christlich“, wie oben beschrieben, eigentlich die falsche Bezeichnung für den Antipoden ist) gibt, leicht macht.

  2. Es geht mir bei dem Beitrag gar nicht um die Kirche oder das Christentum, versteh mich da bitte nicht falsch. Es ist der historische Umgang mit dem Andersgläubigen (damals der konfessionell „Andersgläubige“) und dessen Auswirkungen. An sich müsste man davon ausgehen können, das solche Verhaltensmuster überwunden wurden, es ist doch aber interessant, dass beim Auftauchen einer neuen Religion plötzlich wieder ein Rückfall in diese Muster stattfinden.

    Ich wollte eigentlich noch einige andere Beispiele anführen. So war ich auch auf Berichte aus dem protestantischen Norden gestoßen, wo zB Katholiken nicht erlaubt wurde, öffentlich sichtbare Kirchen zu bauen (irgendwie wieder aktuelles Thema), sondern nur Haus(Hinterhof-)kirchen. Das Glocken läuten war genauso nicht erlaubt, wie öffentliche Prozessionen. Ich habe es bei dem einen Beispiel belassen, da ich auf die Schnelle die anderen Quellen nicht auffinden konnte.

  3. Das ist eigentlich nicht die Antwort auf meinen Einwand, und es handelt sich auch nicht um das gleiche Verhaltensmuster, wenn es auch so aussieht. Wenn du tatsächlich 200 Jahre zurückgehen willst, resultiert die Ablehnung damals aus einem gewissen religiösen Fanatismus der Ortsansässigen gegen die „Ungläubigen“ (Ehen zwischen Katholiken und Protestanten waren damals nicht möglich, es sei denn, einer konvertierte). Die Ablehnung von Moscheen resultiert aber aus der Befürchtung, dass sich religiöse Fanatiker islamischen Glaubens ansiedeln. Die Motivation ist also genau entgegengesetzt. Und es passiert nichts, um diese Befürchtungen zu entkräften.

    Wenn du davon sprichst, dass „dieses Verhaltensmuster überwunden sein sollte“, muss man natürlich auch anmerken, dass islamische Länder derzeit auch hier genau das Gegenteil dieser von dir angemahnten modernen Haltung in Bezug auf andere Religionen als den Islam demonstrieren. Quid pro quo.

  4. Ja, die Diskriminierung der Deutschen und Österreicher sollte endlich aufhören. Weg mit den Bezeichnungen „Ungläubige“ und „Dhimmis“!

  5. seit ihr krank genau deshalb will euch keiner hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrr

  6. lernt mal geschichte die türken kommen aus asien oder
    die türken wollten ganz europa unterwerfen mit ihren islam oder
    die türken haben alles von den griechen geglaut essen usw oder
    türkei gehört nicht zu europa oder

  7. Ich würde sagen, die christlich-jüdische Kultur in Österreich ist vergleichsweise sehr tolerant. Es wird der Bau von Moscheen erlaubt, nur Minarette soll es nicht geben. Der islamische Kulturkreis ist da doch ganz anders aufgestellt. In vielen islamischen Ländern werden Christen diskriminiert und teilsweise auch verfolgt. Der Bau von christlichen Kirchen ist inzahlreichen islamischen Ländern vollständig verboten!

    Sicherlich würde die Haltung der Österreicher gegenüber dem Islam noch gelassener werden, wenn sich eine größere Zahl der Moslems dem Weg zur Toleranz zügiger anschließen würde.

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