Zahl der älteren Migranten in Deutschland steigt weiter an – Es fehlt an geeigneten Betreuungsmaßnahmen

Quelle: David Dennis on Flickr.com - http://www.flickr.com/photos/davidden/2481066381/in/photostream/ Die durch die Arbeitsmigration nach Deutschland zugewanderten jungen und kräftigen „Gastarbeiter“ der ersten Generation werden zunehmend älter. Eine natürliche Entwicklung, die bei ihrer Anwerbung weder von ihnen, noch von den Anwerbern in Betracht gezogen worden ist . Beide gingen vielmehr von der Rückkehr in die Heimatländer aus. Es waren nicht nur die Bezeichnungen für diese „Arbeitskräfte“, die sich im Laufe der Zeit geändert haben; zunächst waren sie Fremdarbeiter, dann Gastarbeiter, später ausländischer Arbeitnehmer oder Migrant und mittlerweile auch häufiger Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Auch ihre Kraft und ihre Leistungsfähigkeit hat sich geändert. Kurz: aus den jungen „Gastarbeiten“ von damals sind heute Senioren mit Migrationshintergrund geworden.

Viele Protagonisten der ersten Generation haben den Rückkehrgedanken nie wirklich aufgegeben. Aber aus den drei bis fünf Jahren, die man in der „Fremde“ bleiben wollte, wurden spätestens mit dem Familiennachzug Jahrzehnte. Die Rückkehr erschien nur noch im Seniorenalter möglich – wenn alle Kinder auf eigenen Füßen im jeweils eigenen Haushalt stehen konnten. Dann würde man sich in der „Heimat“ zur Ruhe setzen. Der starken Bindung, die man zu Deutschland, gerade auch durch die Kinder und durch das soziale Umfeld entwickelt hatte, wurden sich die meisten erst bewusst, als das Rentenalter näher rückte. So überrascht es nicht, dass die über 65-jährigen in der Statistik der Abwanderer aus Deutschland nicht besonders hervortreten. So sind nur 11,6 Prozent der türkischstämmigen Abwanderer über 65 Jahre alt (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/101/1610155.pdf).  Selbst wenn sie es wollen, können die meisten nicht mehr zurück in die „Heimat“.

Bewusst wurde diese unabwendbare Entwicklung bei der Anwerbung keinem, weder den vor 30 oder 40 Jahren Einreisenden, noch den Aufnehmenden. Dennoch sind heute in Deutschland 1,8 Millionen der Menschen mit Migrationshintergrund mittlerweile über 60 Jahre alt. Die Hälfte davon dürften Muslime sein; ein Großteil dieser wiederum türkischer Herkunft. Angesichts dieser Zahlen verwundert es nicht, dass das Thema „Senioren mit Migrationshintergrund“ immer mehr Beachtung findet.

„Ältere Menschen mit Migrationshintergrund als Handlungsfeld für Kommunen“

Besonders in den Kommunen scheint das Bewusstsein für dieses Thema gestiegen zu sein. Der Deutsche Städtetag zeichnete diese demographische Entwicklung unter der Überschrift „Den demographischen Wandel gestalten: Ältere Menschen mit Migrationshintergrund als Handlungsfeld der Kommunen“ in einer Tagung zusammen mit der Bertelsmann Stiftung nach. In vielen Städten gebe es bereits spezifische Angebote für ältere Migrantinnen und Migranten, stellte der Vorsitzende des Deutschen Städtetags, Dr. Stephan Articus fest. „Angesichts der demographischen Entwicklung und der steigenden Zahl von älteren Migranten geht es darum, passgenaue Konzepte zu entwickeln, damit die Menschen mit Migrationshintergrund auch im Alter am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können“, sagte Articus weiter.

Während die Schwierigkeiten des Alterns keinen Unterschied vor deutschstämmigen Senioren oder Senioren mit Migrationshintergrund machen, sind es die Rahmenbedingungen, die immer wieder Probleme bereiten. 95,8 Prozent der türkischstämmigen Senioren in der Altersgruppe 65 bis 79 Jahren stufen ihre Deutschkenntnisse als „gar nicht bis nur mittelmäßig vorhanden“ ein. Bei den 55 bis 64 jährigen ist die Lage nicht wesentlich besser. 85,7 Prozent haben große Sprachdefizite (RAM 2006/2007). Für viele dieser Senioren sind Altersbetreuungsmaßnahmen, die keine Bilingualität vorsehen, schon wegen der nötigen Verständigungsmöglichkeiten keine wirkliche Option.

Selbst im Alter in Deutschland

Es sind jedoch nicht nur Sprachprobleme, die die Wahrnehmung von Betreuungsangeboten im Alter erschweren, sondern auch die begrenzten finanziellen Möglichkeiten. So mussten im Jahr 2006 13 Prozent der über 65-jährigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft Grundsicherungsleistungen beziehen. Bei deutschen Staatsbürgern waren es nur zwei Prozent. Während im Jahre 2002 in Deutschland geborene Rentner im Schnitt 868 € Rente im Monat bekommen haben, standen Zuwanderern aus der Türkei im Rentenalter nur 682 € zur Verfügung (Quelle: DIW Berlin). Die Nutzung von Angeboten im Alter hängt somit nicht nur vom Willen der Betroffenen und dem Vorhandensein der Angebote an sich ab, sondern auch vom Portemonnaie der Senioren oder ihrer Familien.

Dass der Bedarf nach Betreuung im Alter auch bei Migranten vorhanden ist, zeigen die Initiativen, die es trotz der grundsätzlichen Vorbehalte gegen den Heimaufenthalt in einigen Großstädten gibt. Ob es nun das „Türk Bakim Evi“ in der Hauptstadt ist, oder das „Interkulturelle Altenhilfezentrum Victor-Golanz-Haus“  in Frankfurt, die Nachfrage ist da.

Institutionelle Bemühungen in der Seniorenarbeit

Die Zahl der Initiativen im Bereich der Altenhilfe ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. So wurde schon im Jahr 2002 das Memorandum für eine „kultursensible Altenhilfe“ initiiert, zu dem sich bisher über 160 Verbände verpflichtet haben. Die daraus entstandene Kampagne „Kultursensible Altenhilfe“ wird heute im Rahmen eines Forums weitergeführt. Das Forum informiert Institutionen und Einrichtungen, die im Bereich der Altenhilfe auf die kulturellen Bedürfnisse der Betroffenen Wert legen.

Erschwert wird die „kultursensible Altenhilfe“ jedoch oftmals durch die die fehlende Vernetzung von kommunalen Einrichtungen und Einrichtungen freier Träger wie Caritas und Diakonie mit Migrantenselbstorganisationen. Eine Hürde dabei ist sicherlich, dass die Seniorenarbeit in Migrantenselbstorganisationen bisher kaum wahrgenommen wird. Damit treten diese Institutionen aber auch nicht als mögliche Partner in der öffentlichen Wahrnehmung hervor. In der Regel sind es bisher nur auf Migranten spezialisierte Anbieter von Altenhilfe, die sich zwangsläufig auch mit der Migranten-Community vernetzen.

Bisher fehlt es zwar noch einer tatsächlichen Annäherung. Der Weg dahin scheint jedoch nicht verschlossen. Die BAGSO e. V. (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) und die NAKOS (Nationale Kontaktstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) sind nur zwei der größeren Akteure, die bereits ihre Bereitschaft zur Öffnung für Migrantenselbstorganisationen bekundet. Andere werden sicherlich folgen. Nun liegt es bei den  Migrantenorganisationen, diese Angebote auch wahrzunehmen.

7 Replies to “Zahl der älteren Migranten in Deutschland steigt weiter an – Es fehlt an geeigneten Betreuungsmaßnahmen”

  1. Irgendetwas stimmt an deiner Statistik nicht. Die Generation, von der du sprichst, war diejenige, die vorzugsweise in der Schwerindustrie gearbeitet hat. Ich komme selbst aus der Gegend und habe auch vor einigen Tagen noch mit ein paar ehemaligen Arbeitern gesprochen. Wegen der gefährlichen Arbeit war Deutsch auf der Arbeitsstelle Pflicht. Wer nur türkisch sprach oder konnte, der flog raus. Bei im Schnitt 90% älterer Migranten ohne Deutschkenntnisse redest du also keinesfalls über ältere Gastarbeiter der ersten Generation(en). Über wen dann?

  2. Die Statistik dürfte schon Stimmen. Es ist eine Untersuchung des Bundesamts für Migration und Flüchtige, nicht meine (einfach dem Link folgen). Wenn es um die eigene Erfahrung geht, kann ich die Zahlen auch bestätigen. Mein eigener Großvater arbeitete selbst auch über 20 Jahre in einer Gießerei vor einem Hochofen. Schwerindustrie und gefährlich. In die Rente ging er zwar mit einer 75 % Invalidität, aber kaum einem Wort deutsch. Er gehörte wohl auch zu denen, die den Deutschkurs, der ihnen damals an jeder Straßenecke angeboten worden ist (für die die es nicht gemerkt haben: Ironie).

    So eine Statistik passt aber natürlich nicht in die konstruierte Realität, dass es mit jeder Generation schlechter um die Integration stehen würde.

    Ich weiß nicht, ob Du irgendwann Dir bewusst werden kannst, zu welch irrationalem Denken und festgefahrenen Meinungen dich Dein Hass treibt. Mir tut das tatsächlich leid.

  3. Ich weiß nicht, ob Du irgendwann Dir bewusst werden kannst, zu welch irrationalem Denken und festgefahrenen Meinungen dich Dein Hass treibt. Mir tut das tatsächlich leid.

    Danke gleichfalls! Es ist auch furchtbar einfach, für sämtliche Probleme der Türken ausschließlich die Deutschen verantwortlich zu machen, statt mal vor seiner eigenen Tür zu kehren. Von „einer starken Bindung an Deutschland“ kann ja wohl zumindest emotionell kaum die Rede sein, wenn nach eine ganzen Leben noch nicht mal die Sprache geläufig ist, geschweige denn eine Kenntnis der Kultur oder auch nur der näheren Umgebung. Ich habe jedenfalls noch keinen dieser „stark an Deutschland gebundenen“ Leute auf dem Fahrrad in einem deutschen Wald gesehen, wie es ihn in der näheren Umgebung jeder größeren Stadt gibt.

    Klartext: wenn ich mich als Deutscher in der Türkei so aufführen würde wie die meisten Türken in Deutschland, würde ich achtkantig aus der Türkei rausfliegen, vermutlich sogar mit zusätzlichem Gratisaufenthalt in einem türkischen Gefängnis. Bei dem Erdogan-Besuch wurde es ziemlich deutlich: weder Deutschland noch die Deutschen werden von den meisten Türken hier als Heimat und Mitbürger akzeptiert. Ihre Heimat ist die Türkei. Warum gehen sie dann nicht dahin, wenn sie es dort so viel schöner finden? Ganz einfach: weil sie dort keiner will! Ich bin es ganz einfach leid, als Deutscher ständig für die Sozialprobleme der Türkei aufkommen zu dürfen und mich dafür obendrein auch noch beschimpfen zu lassen!

    Für viele ist Deutschland tatsächlich zur neuen Heimat geworden. Die sprechen hervorragendes Deutsch, haben (sich) eine gute Ausbildung (selbst erarbeitet, wie ihre deutschen Kollegen auch) und machen auch sonst so ziemlich alles mit, was in D so üblich ist. Die wohnen auch nicht im Türkenghetto in der Großstadt, sondern in kleineren Städten inmitten der deutschen Bevölkerung. Die gehören hier tatsächlich dazu, und da wird’s wohl auch nur ein paar extreme Chaoten geben, die das nicht akzeptieren. Aber statt die mal als Beispiel rauszustellen, geht’s den „offiziellen Türken“, die hier immer das große Wort führen, immer nur um die Ghettotürken in den Großstädten und deren Pflege und Hege einer mit uns nicht kompatiblen Kultur, wobei man dann am Besten die Deutschen beschimpft.

    Sorry, ihr seid hier hingekommen, ihr müsst euch in unsere Kultur einfügen (einfügen! bitte auch mal so interpretieren), nicht umgekehrt. Ihr bezeichnet euch immer als „Gäste“. Ok, aber dann benehmt euch verdammt noch mal auch endlich so, wie sich ein Gast benehmen sollte.

  4. moin abdulgani

    ich arbeite schon lange in einem grossen krankenhaus in hamburg im lauf der zeit mit vielen kolllegen aus allen ländern, auch islamstämmigen, gerne und gut zusammen. dieses fachpersonal ist in der regel gut gebildet und mehrsprachig. niemand hält diese klugen leute davon ab, qualifikationen zu erreichen, um notwendige einrichtungen zu gründen, die hier im blog von dir gefordert werden. der weg in die selbständigkeit muss nicht immer so sein, wie hier in hamburg st. georg zu sehen ist.
    wichtig erscheint mir, mental wegzukommen von einer haltung, erstmal zu warten, dann klagen und zu fordern.
    in diesem sinne: ein riesenmarkt wartet.

    wohlan!

  5. Hallo petke, herzlich Willkommen,

    eine Forderung in dem Sinne stelle ich hier doch garnicht auf. Der Beitrag hier ist eine Situationsbeschreibung. Wenn man überhaupt von einer Erwartung sprechen kann, dann überhaupt im letzten Satz gegenüber den Migrantenselbstorganisationen. Lass Dich bitte von Gilberts grundsätzlicher Vorwurfshaltung nicht in die Irre leiten, wer ihn öfters liest, kennt das 🙂

  6. Du musst auch mal zuhören, Abdulgani.

    peteke und ich schreiben von „gut ausgebildeten, mehrsprachigen Ausländern“, die hier voll integriert sind und keinerlei Probleme haben. Wer will, kommt dahin, weil alle Türen von den von dir so verachteten Deutschen offen gehalten werden. Du stellst wieder nur Forderungen für die 85-95% auf, die nach (angeblich, und ich sage das jetzt mal ganz bewusst: angeblich) 30-40 Jahren in Deutschland immer noch kein Deutsch können und außer der Teestube an der Ecke nichts von Deutschland wissen. Und zumindest in einem Belang stimmt deine Statistik: die heutige Jugend der 2. oder 3. Generation kann im statistischen Mittel weniger gut deutsch als die 1. Arbeitergeneration. Ich fabulier mir so was nicht zusammen, Abdulgani. Ich habe die 50 schon eine Weile hinter mir und 4/5 meines Lebens im Ruhrgebiet verbracht. Ich habe die ganze Geschichte life vom 1. Gastarbeiter an miterlebt und muss mich nicht aus Sekundärquellen bedienen.

    Trotzdem will ich dir mal einen Tipp geben, wie sich etwas verbessern lassen würde: wenn du dich mal an Schulen umschaust, kannst du beobachten, wie einige türkische Mütter im Interesse ihrer Kinder versuchen, die Fronten aufzubrechen und an den Schulen mit den deutschen Eltern zusammen zu kommen. Leider sind das nur sehr wenige. Wie wäre es, wenn ihr islamischen Männer mal von eurem ungeheuer hohen Machoross runtersteigt und einfach mal eure Frauen vor Ort machen lässt, was ihr als Männer nicht nur nicht hinbekommt, sondern durch Einimpfen des Machotums auf eure Kinder auch noch ziemlich versaubeutelt (habt)? Oder wie wäre es, wenn ihr als ganz normale Familie mal wie die Deutschen einen Sonntagsspaziergang macht, statt in Männergruppen immer nur an irgendwelchen Ecken rumzulungern oder 3er-BMW-Versammlungen mit wummerndem Subwoofer abhaltet (klingt zwar wie ein Klischee, aber peteke kennt das sicher auch aus Hamburg)? Oder wenn ihr mal als ganz normale Gruppe oder Familie ein normales Restaurant besucht und deutsch miteinander und den anderen sprecht (schließlich gehen wir ja auch in die Dönerbuden, und in unseren Restaurants gibt es nicht nur Schweinefleisch)? Oder eurem Nachwuchs mal einfach eins auf’s Maul haut, wenn der deutsche Frauen und Mädchen als „Huren“ tituliert?
    An der Stelle könntet ihr „offiziellen Türken“, und dazu zähle ich alle, die in der Öffentlichkeit immer als Forderer und Kritiker auftreten, also auch dich, mal ansetzen. Fordert von und fördert bei euren Leuten ein solches Verhalten, auch von den Älteren. Und falls das zu weh tut, vom Machotum, islamischen Extremvorschriften und für uns sehr eigenartigen Ehrbegriffen genügend runter zukommen (was bei euch als „Ehrenhandlung“ verstanden wird – möglichst in Überzahl und guter Bewaffnung Frauen oder Einzelpersonen zusammen zuschlagen – ist nach unsere Begriffen ausgesprochen feige), wendet euch an peteke: der kennt sicher aus dem Krankenhaus ein paar Schmerzmittel, die helfen.

  7. Ich sage nur: ALLE ausländischen Mitbürgern sollten Deutsch zu ihrem eigenen Interesse lernen. Ob jung oder auch alt. Wer was erreichen will, muss heute in Deutschland Deutsch sprechen können. Ob er will oder nicht. Macht es euch nicht so schwer, es ist schon schwer genug.

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