(Ursprünglich veröffentlicht am 22.03.2018, angesichts des Angriffs auf die Synagoge in Halle mit aktuellem Datum erneut eingestellt.) Die Angriffe auf Moscheen in den letzten Wochen haben für unterschiedliche Diskussionen gesorgt, ob es sich bei den betroffenen Moscheen um türkische oder deutsche Einrichtungen handelt, welche Rolle Medien und Politik dabei spielen usw. Eine Frage blieb dabei unbeantwortet: Was können die betroffenen Moscheegemeinden tun und wie können sich die Gemeinden im Allgemeinen auf solch einen Vorfall vorbereiten? Denn konkrete Schritte um mit solch einem Vorfall umzugehen, braucht es weit vor einem tatsächlichen Übergriff.

Obwohl die Zahl der Anschläge in unterschiedlichen Formen auf Moscheegemeinden in den letzten Jahren zugenommen hat, ist das Thema im institutionellen Handeln der muslimischen Gemeinschaften nicht angekommen. Solche Vorfälle dürfen zwar nicht als etwas Alltägliches oder Normales hingenommen werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sie nicht außerhalb des Wahrscheinlichen liegen. Die aktuellen Angriffe zeigen zudem, dass ihre Auslöser nicht nur in innerdeutschen Islamdebatten liegen müssen. Die gestiegene Sichtbarkeit von Moscheen führt auch dazu, dass sie von Spinnern, die eine politische Message verbreiten wollen, als geeignetes Objekt dafür gesehen werden.

Diese Loslösung der Angriffsmotivation von der jeweils betroffenen Moscheegemeinde erschwert den Leidtragenden den Umgang mit der Thematik. Die angegriffene Einrichtung muss nichts falsch gemacht haben, im Gegenteil, sie kann sogar mustergültig in ihrer Offenheit und Verankerung in der Mehrheitsgesellschaft sein und trotzdem ein passables Ziel für diese politischen Brandstifter darstellen.

Je sichtbarer eine Moscheegemeinde ist, um so besser muss sich die Gemeinde auf solch einen Ernstfall vorbereiten, ohne in einen permanenten Angstzustand zu verfallen. Eine Form der Vorbereitung kann die Erstellung eines Sicherheitskonzepts sein, in dem dann auch Fragen für den Ernstfall aufgegriffen werden. Wer ist in solch einem Fall der direkte Ansprechpartner in der Moscheegemeinde, wer ist der direkte Ansprechpartner auf Seiten der Polizei, auf Seiten der Stadtverwaltung usw.? Wen in der Gemeinde kann die Presse kontaktieren, welcher Journalisten steht in solch einem Fall für die Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung? Weiterlesen

Der Beitrag “Der KRM, der Religionsunterricht und die Krise” sorgte insbesondere in der bosnischestämmigen Community für zahlreiche Diskussionen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, diesen Beitrag auch in einer bosnischen Übersetzung zur Verfügung zu stellen.

Od najave proširenja Koordinacijskog vijeća muslimana (KRM) isprepliću se događaji u Sjevernoj Rajni Vestfaliji. Posljednjih godina ništa se nije čulo o KRM-u. Sam gremij se držao daleko od javnih diskursa. U posljednje dvije godine, na internet stranici vijeća objavljeno je sedam saopćenja za javnost, iz kojih se jedva mogu izvući zaključci o diskursu u vezi s muslimanima i islamu u Njemačkoj.

Slično sveukupnoj društvenoj percepciji, KRM, također, već duže vrijeme nema nikakvu važnost u međumuslimanskom diskursu. Doći ćemo do razloga zbog čega je to tako. Proširenje KRM-a, koje se u mnogim kontekstima smatra disfunkcionalnim, predstavljalo je zbog toga iznenađenje čak i za mnoge posmatrače. Za neke od novih članova, kao i za neke druge muslimanske zajednice izvan KRM-a, ovaj korak bi trebao biti iznenađujući i zbog toga što je KRM do sada silovito odbijao takvo otvaranje. Još prije nekoliko godina, neke zajednice su izrazile interes za članstvo kada je KRM još bio javno relevantan. “Oni (KRM) nisu čak ni odgovorili na naš upit za zakazivanje termina”, opisuje jedan od aktera tadašnje ophođenje s tim upitima.

Weiterlesen

Die Erweiterung des KRM

Seit der Ankündigung einer Erweiterung des Koordinationsrates der Muslime1, überschlagen sich die Ereignisse in Nordrhein-Westfalen. In den letzten Jahren war es um den KRM sehr still geworden. Das Gremium selbst hielt sich weitgehend aus den öffentlichen Diskursen heraus. In den letzten zwei Jahren sind auf der Webseite des Rates gerade einmal sieben Pressemitteilungen erschienen, aus denen kaum Rückschlüsse auf den Diskurs um Muslime und Islam in Deutschland gezogen werden können.2

Ähnlich der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung hat der KRM im innermuslimischen Diskurs ebenfalls seit langem kein Gewicht mehr. Zu den Gründen dafür werden wir noch kommen. Eine Erweiterung des KRM, der mittlerweile in vielen Kontexten dysfunktional ist, stellte deswegen selbst für informierte Beobachter eine Überraschung dar. Für einige der neuen Mitglieder und auch für einige andere muslimische Gemeinschaften außerhalb des KRMs dürfte dieser Schritt auch deshalb überraschend gewesen sein, weil sich der KRM bisher einer solchen Öffnung vehement verweigert hat. Schon vor Jahren hatten einige Gemeinschaften Interesse an einer Aufnahme bekundet – zu einer Zeit, als der KRM noch öffentlich relevant gewesen ist. “Sie (der KRM) haben nicht einmal auf unsere Terminanfrage geantwortet”, gibt einer der Akteure den damaligen Umgang mit diesen Anfragen wieder.

Weiterlesen
  1. KRM – http://koordinationsrat.de/node/20 [nicht datiert], abgerufen am 14.06.2019. []
  2. www.koordinationsrat.de – , abgerufen am 14.06.2019. []

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) plant eine Erweiterung, dies wurde in einer überraschenden Pressemitteilung heute bekannt gegeben. Neben den bisher tragenden vier Verbänden DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD sollen nun auch marokkanische, bosnische und albanische Gemeinden Mitglied des Gremiums werden. Damit würde sich das Gremium seit seiner Gründung vor über 12 Jahren strukturell erstmals maßgeblich verändern. Nachdem es in den letzten Jahren sehr ruhig um den Koordinationsrat geworden war, könnte dieser Schritt tatsächlich ein Befreiungsschlag für das Gremium sein. Die Pressemitteilung lässt jedoch an solch einer Interpretation zweifeln.

Zunächst einmal wäre dies nicht der erste Versuch, den Kreis der Mitglieder des KRM zu erweitern. Der KRM selbst wurde im März 2007 nicht geschaffen, um eine ständige Vertretung der Muslime zu sein, sondern zur “Schaffung einer einheitlichen Vertretungsstruktur der Muslime”1 beizutragen. In den vergangenen 12 Jahren ist dies aus unterschiedlichen Gründen nicht gelungen. 

Weiterlesen
  1. Präambel, Geschäftsordnung des KRM vom 28.03.2007, http://www.religion-recht.de/2010/08/geschaftsordnung-des-koordinationsrates-der-muslime-in-deutschland/. []

Bei der Frage nach der verwendeten Sprache in der Vermittlung des Islams und dem innermuslimischen Diskurs in Deutschland erscheint mir das immer festgefahrenere Festhalten mancher Kreise an den “Herkunftssprachen” nur noch eine Form der Ignoranz und wohl auch eine gute Portion Angst vor Bedeutungsverlust zu sein.

Ignoranz vor der immer größeren Diversität der Community, die ein Betreiben von herkunftssprachlichen Gemeinden selbst bei den herkunfts-nationalistischsten Gemeinden unmöglich werden lässt.

Angst vor dem Bedeutungsverlust, da nicht nur viele Imame, sondern auch eine ordentliche Portion von Funktionären auf deutsch schlichtweg nicht mehr mitreden könnten. Gesamtgesellschaftlich können sie das tatsächlich bereits schon seit langem nicht. Statt an diesem auch institutionell kaum tragbaren Defizit zu arbeiten, wird die eigene Gemeinde/Gemeinschaft zur herkunftsweltlichen Enklave erklärt, in der man in der Blase zumindest noch Meinungsführerschaft beanspruchen kann.

Weiterlesen

Die Alhambra Gesellschaft begrüßt grundsätzlich die Einführung eines Übergangsgesetzes zur Aufrechterhaltung und Weiteretablierung des islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen.

Spätestens mit der Etablierung eines ersten Islamischen Religionsunterrichts an Schulen in Nordrhein-Westfalen wurde deutlich, dass es einen Bedarf für diesen Unterricht und eine Nachfrage bei muslimischen Eltern und SchülerInnen gibt. Dies zeigt sich u.a. in der Zahl der teilnehmenden SchülerInnen von mittlerweile 19.400 SchülerInnen im Schuljahr 2017/18. Angesichts der Gesamtzahl von rund 415.000 muslimischen Schülern an Schulen in NRW scheint der Ausbau des Islamischen Religionsunterrichts noch weit hinter dem vorhandenen Potential zurückzubleiben. Für die weitere Entwicklung des IRU in NRW sollte die Frage nach den Ursachen für diesen schleppenden Ausbau gestellt und verfolgt werden.

Mit den nun eingereichten zwei Gesetzesanträgen wird deutlich, dass es weiterhin eine breite Basis im Landtag NRW für die Fortführung des IRU gibt. Der Regelungsgehalt der Drs. 17/5618 in Form einer Verlängerung der bestehenden gesetzlichen Regelung erscheint jedoch nicht als zielführend. Die Übergangsvorschrift des § 132a SchulG wurden im 6. Schulrechtsänderungsgesetz auch mit der Aussicht befristet, bis zum Auslaufen des Gesetzes möge eine Entwicklung in der Institutionalisierung und der statusmäßigen Klärung der Religionsgemeinschaftseigenschaft der muslimischen Organisationen innerhalb des Koordinationsrates der Muslime eintreten, die eine Etablierung eines IRU nach § 31 SchulG NRW ermöglichen sollte.

Weiterlesen

Die etablierten Moscheegemeinden wandeln sich. Daneben gibt es neu entstehende soziale Einrichtungen und Träger, deren Akteure zwar eine religiöse Motivation haben, ohne jedoch Religionsgemeinschaft oder religiöser Verein sein zu wollen.

Ein Beitrag von Engin Karahan (erschienen in Herder Korrespondenz 72. Jahrgang (2018), Heft 9, S. 16-18)

Die muslimische Verbandslandschaft in Deutschland steht aktuell unfreiwillig vor dem größten Umbruch seit ihrem Entstehen vor fast 60 Jahren und den Familienzusammenführungen in den Achtzigerjahren. Mit dem Nachholen von Ehepartnern und Kindern entwickelten sich viele der provisorischen muslimischen Gebetsräume zu Moscheen mit einem breiten Angebot für die ganze Familie weiter. Damit beschränkten sie sich nicht mehr darauf, nur Orte für die Freitags- und Feiertagsgebete zu sein. Es bildete sich eine religiöse Infrastruktur heraus, die mit der Zeit regionale und zentrale Strukturen und unterschiedliche Tätigkeitsbereiche ausdifferenzierte. Trotz aller Weiterentwicklung und Institutionalisierung blieb das Provisorische der Gründerzeit, sowohl in der Struktur als auch im institutionellen Denken, ein bestimmender Faktor.

Weiterlesen

Der Rheinland-Pfälzische Wisssenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf hat heute die Zusatzgutachten zu den islamischen Verbänden im Land veröffentlicht.  Diese stellen fest, dass die Verbände  Religionsgemeinschaften darstellen, jedoch erhebliche strukturelle  Herausforderungen bestehen. Wolf kündigte daher an, die Verhandlungen vorerst nicht wiederaufzunehmen, sondern Zielvereinbarungen mit den Verbänden zu verhandeln, um die notwendigen Entwicklungen in Gang zu setzen.

Die Landesregierung hatte die Zusatzgutachten in Auftrag gegeben, um den Einfluss staatlicher Stellen auf die Verbände in Rheinland-Pfalz zu klären. Die Anfertigung übernahmen der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Christoph Bochinger von der Universität Bayreuth und der Kölner Staatskirchenrechtler Prof. Dr. Stefan Muckel. Die vorgelegten Zusatzgutachten bestätigen die Kernaussagen der in die 2014/2015 angefertigten Erstgutachten, dass alle vier Verbände Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes. Jedoch sehen die Gutachter die Eignung des DITIB-Landesverbands und der Schura Rheinland-Pfalz als problematisch an, Partner für den Islamischen Religionsunterricht zu fungieren.

So wird die mögliche Einflussnahme Dritter als kritisch eingestuft. Die strukturell-institutionelle Verflechtung zwischen DITIB-Landesverband, DITIB-Bundesverband und Diyanet würde eine politische Einflussnahme jederzeit ermöglichen. In der Schura Rheinland-Pfalz besteht bei sechs Gemeinden eine satzungsmäßige Abhängigkeit von einem Bundesverband, der kein Teil der Schura ist. Aufgrund von Aktivitäten einzelner Mitglieder liegen dem rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz zu drei Gemeinden der Schura Anhaltspunkte für den Verdacht extremistischer Bestrebungen vor.

Die Landesregierung plant in den nächsten Wochen eine Zielvereinbarung mit den vier islamischen Verbänden zu verhandeln. Zwölf  Monate nach Unterzeichnung soll Bilanz gezogen werden, ob die gemeinsam vereinbarten Ziele erreicht wurden. Darauf aufbauend entscheidet die Landesregierung über das weitere Verfahren mit den islamischen Verbänden.

Die zurückgehenden Besucherzahlen bei den Tarawih-Gebeten in diesem Ramadan, die (fehlende) Teilnahme von Jugendlichen an anderen Aktivitäten in Moscheegemeinden führen uns immer häufiger vor Augen, dass auch die muslimischen Gemeinden in einer Krise stecken. Die Ansprache und die Bindung von jungen Muslimen wird schwieriger. Eren Güvercin hat in seinem letzten Post auf FB eine Folge dieser Entwicklung aus einem konkreten, so banalen wie auch exemplarischen Beispiel heraus aufgezeigt: Der Provinzmufti und die Stadtverwaltung der Stadt Konya versprechen Kindern ein Fahrrad, wenn Sie 40 Tage lang zum Morgengebet in die Moschee kommen. Nur ein Beispiel für eine Entwicklung auch hierzulande, das sich im immer häufigeren Einzug von Wettbewerben und Belohnungssystemen, insbesondere für Jugendliche und Kinder, in der religiösen Bildungsarbeit zeigt.

In der „Kampagne“ stechen zwei Aspekte hervor: Einerseits hat man erkannt, dass es ein Problem bei der Ansprache von Jugendlichen und der Verstetigung des Religiösen in ihrem alltäglichen Leben gibt. Ähnliches erleben wir auch hier, betrachtet man die Zahl der aktiven Jugendlichen in den Gemeinden außerhalb des Freitagsgebets. So musste ich selbst zuletzt feststellen, dass in der Miradsch-Nacht in einer der größten und vitalsten Moscheen in Köln an einem Freitagabend gerade einmal ca. 20 Jugendliche in der Moschee waren – zwei von denen hatte ich mitgebracht

.

Weiterlesen

Ein aktueller Post von mir auf Facebook sorgte dort für eine kurze aber gewichtige Nachfrage. Auf den Post

Es war falsch, die Hoffnungen weitgehend auf den Generationswechsel zu setzen. Mentalitäten sind nicht unbedingt Generationen-abhängig, sie neigen dazu, auch über Generationen hinweg weitergeben zu werden. Solange es keinen Bewusstseinswandel gibt, wird sich weder in der 3. noch in der 4. Generation etwas ändern.

fragte Dzemal Sibljakovic

Und wie kommt es zum Bewusstseinswechsel?

Diese Frage zu beantworten ist zwar nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Zuallererst gilt es zu identifizieren, wo wir als muslimische Community überhaupt stehen. Wir brauchen eine schonungslose Bestandsaufnahme: Was wurde wozu und mit welchen Mitteln erreicht? Wir könnten auch das Pronomen „von wem“ hinzunehmen. Die Probleme sind jedoch in erster Linie eher systembedingt. Das lässt die handelnden Personen zwar nicht unwichtig werden oder spricht ihnen die Verantwortung für ihr Tun ab. Es hat sich aber innerhalb der Verbände immer wieder gezeigt, dass es eine überraschend hohe Austauschbarkeit von Personen gibt. Selbst im Sinne dieses Beitrags positiv hervortretende Funktionsträger rufen oft nur temporäre Änderungen hervor, deren Revision nicht einmal einen Bruchteil der Zeit ihrer Etablierung in Anspruch nimmt. Weiterlesen