Bei der Frage nach der verwendeten Sprache in der Vermittlung des Islams und dem innermuslimischen Diskurs in Deutschland erscheint mir das immer festgefahrenere Festhalten mancher Kreise an den “Herkunftssprachen” nur noch eine Form der Ignoranz und wohl auch eine gute Portion Angst vor Bedeutungsverlust zu sein.

Ignoranz vor der immer größeren Diversität der Community, die ein Betreiben von herkunftssprachlichen Gemeinden selbst bei den herkunfts-nationalistischsten Gemeinden unmöglich werden lässt.

Angst vor dem Bedeutungsverlust, da nicht nur viele Imame, sondern auch eine ordentliche Portion von Funktionären auf deutsch schlichtweg nicht mehr mitreden könnten. Gesamtgesellschaftlich können sie das tatsächlich bereits schon seit langem nicht. Statt an diesem auch institutionell kaum tragbaren Defizit zu arbeiten, wird die eigene Gemeinde/Gemeinschaft zur herkunftsweltlichen Enklave erklärt, in der man in der Blase zumindest noch Meinungsführerschaft beanspruchen kann.

Weiterlesen

Die etablierten Moscheegemeinden wandeln sich. Daneben gibt es neu entstehende soziale Einrichtungen und Träger, deren Akteure zwar eine religiöse Motivation haben, ohne jedoch Religionsgemeinschaft oder religiöser Verein sein zu wollen.

Ein Beitrag von Engin Karahan (erschienen in Herder Korrespondenz 72. Jahrgang (2018), Heft 9, S. 16-18)

Die muslimische Verbandslandschaft in Deutschland steht aktuell unfreiwillig vor dem größten Umbruch seit ihrem Entstehen vor fast 60 Jahren und den Familienzusammenführungen in den Achtzigerjahren. Mit dem Nachholen von Ehepartnern und Kindern entwickelten sich viele der provisorischen muslimischen Gebetsräume zu Moscheen mit einem breiten Angebot für die ganze Familie weiter. Damit beschränkten sie sich nicht mehr darauf, nur Orte für die Freitags- und Feiertagsgebete zu sein. Es bildete sich eine religiöse Infrastruktur heraus, die mit der Zeit regionale und zentrale Strukturen und unterschiedliche Tätigkeitsbereiche ausdifferenzierte. Trotz aller Weiterentwicklung und Institutionalisierung blieb das Provisorische der Gründerzeit, sowohl in der Struktur als auch im institutionellen Denken, ein bestimmender Faktor.

Weiterlesen